Interview mit Herrn Thorsten Jacoby, Geschäftsführender Gesellschafter der Erlenbach GmbH, Lautert

Das Gespräch mit Herrn Jacoby führte Herr Dr. Buchholtz. S+V erstellte für die Erlenbach GmbH ein Restrukturierungskonzept, begleitete die Umsetzung, coached die Geschäftsführung, initiierte und begleitete den Prozess der Investorensuche bis zum erfolgreichen Abschluss.

"Herr Jacoby: Sie sind Geschäftsführer und Inhaber des Sondermaschinenbauunternehmens Erlenbach GmbH und gestalten die technische und wirtschaftliche Entwicklung Ihres Mittelstandsunternehmens seit über 20 Jahren. Wie geht es der Erlenbach GmbH heute?"

"Als Markt- und Qualitätsführer für Partikelschaum-Maschinen sind wir nach einer erfolgreichen Neuausrichtung des Unternehmens in 2013 in den letzten Jahren mit einer EBIT-Marge zwischen 5% und 10% überdurchschnittlich rentabel. Unsere globale Marktpräsenz und Kundenwahrnehmung haben sich weiter verbessert."

"Neuausrichtung –  d. h. es gab vor 2013 schwierigere Zeiten zu bewältigen? Was waren dabei die Herausforderungen?"

"Die Erlenbach GmbH war nach einer Sonderkonjunktur in Osteuropa überinvestiert, mit deutlichen Überkapazitäten. In dieser Situation hat uns die Finanz- und Wirtschaftskrise kalt erwischt und wir mussten die Umsatzerwartungen nahezu halbieren. Die Führung war durch eine Nachfolge bedingt mit vier Inhaber-Geschäftsführern zu breit aufgestellt und nicht hinreichend handlungsfähig. Mangelnde Kostentransparenz und Konsequenz in der Führung haben zu Problemen in der Auftragsabwicklung, unklaren Verantwortlichkeiten und schließlich zu einer nicht tragbaren Anzahl an Aufträgen mit Verlusten geführt. Dennoch haben wir durch die hohe Fachkompetenz unserer Mitarbeiter nach wie vor die besten Maschinen in unserem Segment weltweit gebaut."

"Die Neuausrichtung musste also zwingend mit den Mitarbeitern angegangen werden. Wie sind Sie an diesen Prozess herangegangen?"

"Wir mussten dringend handeln, auch aufgrund der finanziellen Situation. Aber, zunächst mussten wir uns als Inhaber darüber klar werden, wo unsere Probleme genau liegen und wie diese abzustellen sind. Erst mit diesem klaren Fahrplan konnten wir die Mitarbeiter informieren und einbeziehen.Im Inhaberkreis waren wir einig, dass die Herausforderung einer Neuausrichtung – ein für alle Inhaber neues Thema – nicht ohne externe und professionelle Unterstützung erfolgreich zu bewältigen war.

So haben wir zuerst ein restrukturierungserfahrenes Beratungsunternehmen gefunden, das neben der notwendigen Fach- und Prozesskompetenz vor allem menschlichen zu uns passte, Schwachstellen unverblümt aufdecken sowie klar und überzeugend kommunizieren konnte. Mit S+V haben wir genau den zu uns passenden Berater gefunden.

Das von S+V im Betrieb und in enger Abstimmung mit den Inhaber-Geschäftsführern erarbeitete Konzept konnte bereits nach zwei Monaten unseren Finanzierern vorgestellt werden, welche die umgehend startende Umsetzung uneingeschränkt unterstützten. Ein Projektteam mit 12 Teilprojekten unter Einbindung von ca. 15 Mitarbeitern hat die Umsetzungsarbeiten übernommen. In wöchentlichen Projektbesprechungen und monatlichen Statusreports in der Geschäftsleitung haben wir den Prozess gesteuert, eng begleitet vom externen Berater. Nach 10 Monaten waren die Maßnahmen zu mehr als 80% umgesetzt."

"Was waren die wichtigsten Erfolge der Neuausrichtung mit Blick auf die Zukunft der Erlenbach GmbH?"

"Vor allem haben wir die Handlungsfähigkeit in der Führung durch Verkleinerung der Geschäftsführung mit den Verantwortungsbereichen Technik/Vertrieb und kaufmännische Angelegenheiten wieder hergestellt. Mit einem Investor konnten wir das seit Jahren ungelöste Nachfolgethema für Gesellschafter lösen. Aufträge werden wieder profitabel abgewickelt. Zusammen mit Belegschaft und Betriebsrat wurde die Vergütungsstruktur neu und transparent ausgerichtet. Und, durch eine verbesserte Nutzung betriebswirtschaftlicher Informationen in der Führung haben wir neu gelernt, nicht nur gute Maschinen zu bauen, sondern dabei auch Geld zu verdienen!"

"Mit dem Geldverdienen haben Sie die unternehmerische Zielsetzung nun nachhaltig erreicht, Herr Jacoby. Aber, wie sehen Sie persönlich aus heutiger Sicht den Prozess zur Neuausrichtung?"

"Für mich persönlich hat der gesamte Neuausrichtungsprozess und vor allem die Zusammenarbeit mit S+V viele neue Erfahrungen gebracht – ich habe mich als Geschäftsführer deutlich weiterentwickelt. Diese Erfahrungen musste ich mir mit Zeiteinsatz und Engagement an der Grenze des Machbaren erarbeiten. Aus heutiger Sicht hat sich der Einsatz für mich als Unternehmer und persönlich bereits vielfach ausgezahlt."

Interview mit Herrn Jürgen Hagenlocher, Geschäftsführer der VIDEOR E. Hartig GmbH

Das Gespräch mit Herrn Hagenlocher führte Frau Huke. S+V erstellt 2013 für das Unternehmen ein Restrukturierungsgutachten mit Maßnahmenkonzept, welches vom Unternehmen erfolgreich umgesetzt wurde.

"Herr Hagenlocher, Sie sind Geschäftsführer der VIDEOR E. Hartig GmbH, das führende Distributionsunternehmen im Bereich der Sicherheits- Videotechnik in Deutschland mit einer Historie von über 40 Jahren. Wie schafft man es als ein Handelsunternehmen in diesem Segment über eine so lange Zeit erfolgreich zu sein?"

"VIDEOR kann tatsächlich auf eine lange Historie zurückblicken. Begonnen hat es 1975 als eine Handelsvertretung  für japanische Spitzenhersteller. Die Bekanntheit von VIDEOR als Händler für hochwertige Videotechnik konnte schnell ausgebaut werden und der Umsatz stieg rasant an. Heute erwirtschaftet VIDEOR mit 120 Mitarbeitern Umsatzerlöse von über Mio. € 62 im Jahr bei einer Umsatzrendite von ca. 2,0%.  

Das schafft man nur, wenn man – gerade als technisches Handelsunternehmen in einem schnelllebigen Markt  – immer wieder die neuen Branchentrends erkennt und seine interne Aufstellung darauf anpasst andernfalls bleiben die Ergebnisse aus."

"Gab es in dieser langen und erfolgreichen Firmengeschichte auch schwierige Phasen und Rückschläge?"

"Ja tatsächlich: an die erste erinnert sich kaum jemand mehr. 2001 gab es die Kirch-Pleite, welche nicht nur lange Jahre die Gerichte beschäftigt (Kircherben gegen die Deutsche Bank) sondern auch für uns einen Umsatzeinbruch bedeutete, da wir damals sehr stark engagiert waren im Bereich Fernseh- und Film. Damals konnten wir durch den Ausbau unserer Sparte Sicherheit dagegenhalten. Die zweite kam dann in Folge der Lehmann Brother Pleite.  2010 /2011 waren die Projektaufträge und Investitionsbudgets aus den Vorjahren aufgebraucht, die Bautätigkeit und damit die Installationen von Video- und Sicherheitstechnik erlahmten. In der Folge brachen bei VIDEOR Umsatz und Ergebnis ein, die durch den Wandel der Technologie von analogen zu digitalen Medien noch verstärkt wurde, da unsere Herstellerpartner sich hierauf nicht ad hoc einstellen konnten. Zunächst verstellte noch ein Großauftrag den Blick auf die weitergehende Entwicklung, so dass erst in 2012 / 2013 die Auswirkungen voll in der Gewinn- und Verlustrechnung sichtbar wurden. Bei einer ersten Analyse stellten wir zudem hausgemachte Probleme bei Eigenentwicklungen und Umsatzprognose fest, wodurch Kosten und Strukturen aufgebläht wurden. VIDEOR hatte aufgrund seiner langjährigen positiven Unternehmensentwicklung eine teilweise erfolgsverwöhnte kleinteilige Organisation mit einem entsprechend großzügigem Ausgabe- und Leistungsverständnis. Hier musste  natürlich gehandelt werden."

 

"Das hört sich nach einer großen Herausforderung für das Managementteam an. Wie konnten Sie die Aufgabe bewältigen?"

"Gemeinsam mit Experten. Aufgrund der schlechten Ergebnisaussichten und dieser sehr umfangreichen Aufgabe hatte eine unserer Geschäftsbanken, uns den Einsatz einer Unternehmensberatung empfohlen. Wir waren zunächst skeptisch gegen diesen Beratungseinsatz, doch haben wir nach einem offenen Auswahlverfahren mit S+V die richtige Wahl getroffen. Die Zusammenarbeit war von Anfang an einfach prima. Es gab keine Tabus aber eine Menge gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung. Das Beratungsteam von S+V und unser kleines „Revitalisierungsteam“ arbeiteten schnell Hand in Hand. So konnten mit dem professionellen Blick von außen, die Schwachstellen objektiv – ohne Betriebsblindheit – konsequent und vor allem schnell aufgedeckt werden. Zur Beseitigung haben wir dann gemeinsam ein umfangreiches Paket mit strukturellen, strategischen und operativen Maßnahmen definiert werden. Dies enthielt neben den notwendigen Kosteneinsparmaßnahmen auch wichtige Handlungsfelder für die strategische und operative Weiterentwicklung."

"Wie haben Sie diesen Spagat zwischen Restrukturierung mit den damit verbundenen Einschnitten und dem gleichzeitigen Aufstellung einer vorwärts gerichteten Strategie geschafft?"

"Auch das kann man als Geschäftsführung nicht allein umsetzen. Der Fokus lag zu Beginn auf der Restrukturierung. Hier hat  S+V Überzeugungsarbeit bei Management und Gesellschaftern geleistet.  Das gemeinsame Erarbeiten des Maßnahmenkonzepts und eine transparente Informationspolitik sicherte die Akzeptanz ab. Die Einführung und Weiterentwicklung von wichtigen Steuerungsinstrumenten zeigte den aktuellen Umsetzungsstand und lies uns den Erfolg der Umstrukturierung in Zahlen messen. Dies schaffte Vertrauen und neue Motivation im gesamten Unternehmen und war auch wichtige Grundlage für die weitere strategische Ausrichtung."

"Was sind für Sie die wichtigsten Erkenntnisse und „Learnings“ aus dieser Phase der Neuausrichtung?"

"Wenn Du Geld brauchst gehe nicht zur Bank, sondern suche Dir den rechten Berater. Überprüfe ohne Wenn und Aber die aktuelle Aufstellung des Unternehmens und schaffe Raum für neue Pläne. Aber Vorsicht eins nach dem anderen und mit einem klaren Kommunikationsplan nach innen und außen. S+V war für uns in dieser Zeit da und noch heute pflegen wir frei von unternehmerischen Sorgen gelegentlich Kontakt."